Wir alle kennen Fotos mit übermalten oder ausgeschnittenen Gesichtern. Wie ein Refrain wirkt die Hand, die Familienaufnahmen mit Stiften und anderen Gerätschaften bearbeitet und wiederholt eingeblendet wird. Die Auslöschungsversuche sind hörbar. Sie übertragen sich als Missklang auf den Körper. Zerkratzen, verfremden, wegmachen. Meistens den Kopf einer Frau. Auch wenn der Erzähler in der dritten Person spricht, auch wenn die Hand womöglich nicht die seine ist, könnten es eigene Erfahrungen sein. Im Zentrum der eher fragmentarischen Schilderungen steht eine Mutter, die ihre Kinder prügelt und quält. Es ist eine Kindheit in permanenter Angst. Wie geht man mit den Erinnerungen und Narben im Erwachsenenalter um? Lässt sich das Erlebte überhaupt mit Worten fassen? Warum sind einem die Geschwister, die dasselbe Leid erlitten haben, seltsam fremd? David Kinds essayistische Annäherung an das Trauma der Gewalterfahrung fällt fragend aus. Äußerst behutsam werden die titelgebenden Türen geöffnet.

Der Film erforscht die Ursachen und Folgen häuslicher Gewalt. Er fragt danach, wie Betroffene ihr Leben weiterleben können oder ob das überhaupt möglich ist. Der Film erzählt, wie familiäre Bindungen unter der Last eines Traumas zusammenbrechen.
„In den Wohnungen meiner Mutter sind viele Türen“ wurde 2024 auf dem Dok Leipzig im nationalen Wettbewerb uraufgeführt. Ausserdem zu sehen war der Film auf dem mitteldeutschen Filmfestival Kurzsüchtig, dem Filmfest Dresden und dem Kyiv International Short Film Festival. Der Film wurde von der AG Kurzfilm in den Katalog bemerkenswerter deutscher Kurzfilme 2025 aufgenommen und vom Goethe Institut China in der Reihe Familie als kleinste Zelle der Gesellschaft gezeigt, die unter anderem in Beijing und Shanghai stationierte.

In der Wohnung meiner Mutter sind viele Türen – David Kind
Kurzfilm, 2024, 18 Min
